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Kurzbericht zum Watvogelfang/zug im Europäischen Vogelschutzgebiet „Plothener Teiche“ im Frühjahr 2011
Jürgen Auerswald
Eine
wichtige Aufgabe des ornithologischen Arbeitskreises ist die Erfassung
rastender Vogelarten im Europäischen Vogelschutzgebiet „Plothener
Teiche“. Mit Hilfe von Uferreusen wurden in einem
Absetzbecken einer ehemaligen Abwasseraufbereitungsanlage Limikolen
während des Heimzuges im fünften Jahr infolge gefangen. Deshalb wurde
zur Schaffung von Rastmöglichkeiten im Vorfeld der Wasserstand
abgesenkt. Die Fangzeit begann am 01. Mai und endete am 18. Mai 2011.
Der Zeitraum war bewusst so gewählt da Bruchwasserläufer, als eine
Leitart des Projekts, relativ spät ziehen. An 13 effektiven Fangtagen
wurden allein 88 Bruchwasserläufer beringt. Damit verdoppelte sich der
Fangerfolg gegenüber dem Vorjahr, was auf einen verstärkten
Frühjahrszug schließen lässt. Wiederfänge gelangen nicht.
Beringungsergebnis des Frühjahrszuges im Zeitraum 01.05.- 18.05.2011 (n= 101)
Temminckstrandläufer Calidris temminckii
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6
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Kampfläufer Philomachus pugnax
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4
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Rotschenkel Tringa totanus
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1
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Bruchwasserläufer Tringa glareola
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88
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Flussuferläufer Actitis hypoleucus
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2
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Summe
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101
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Phänologie
Die Aufnahme des Vogelbestandes während der täglichen Kontrollen am
Einsatzort der Reusen erlauben eine detaillierte Darstellung des
lokalen Zugverlaufs. Es traten 12 Limikolenarten auf. Die Feststellung
der letzten Jahre mit dem früheren Beginn des Heimzuges bzw. vom
früheren Ende des Zugverlaufs durch den Bruchwasserläufer wiederholte
sich abermals.
Eine Auswertung zur Phänolgie für die gesamte Teichlandschaft ist erst nach Vorlage der Daten aller Beobachter möglich.
Folgende Arten traten auf:
Flussregenpfeifer Charadrius dubius
Erstes Auftreten am 03. Mai mit zwei Ind., insgesamt 8 Nw. bis 21. Mai mit bis zu drei Vögeln.
Sandregenpfeifer Charadrius hiaticula
Nur zwei Beobachtungen von Einzelvögeln je am 04. und 09. Mai.
Kiebitzregenpfeifer Pluvialis squatarola
Nur am 03. Mai zeigte sich ein Durchzügler an den Reusen.
Kiebitz Vanellus vanellus
Aufgrund der wenigen Daten am Fangplatz, lässt sich von dieser Art als
Rastvogel der Feldflur keine Aussage zur Phänologie treffen.
Temminckstrandläufer Calidris temminckii
Auf dem Heimzug gewöhnlich stärker auftretend als auf dem Wegzug. 06.
-13. Mai, max. 11 Ind. am 13. Mai. Selten zuvor wurden mehr als 10
Tiere gleichzeitig beobachtet.
Kampfläufer Philomachus pugnax
Vom 02. bis 14. Mai sieben Nachweise überwiegend weiblicher Vögel mit Truppgrößen zwischen 1 – 7 Ind., max. 2,5 am 14. Mai.
Rotschenkel Tringa totanus
Auf dem Heimzug zwei Ind. am 04. Mai und durch die Beringungsarbeit der Nachweis eines weiteren Vogels am 06. Mai.
Grünschenkel Tringa nebularia
Neun überfliegende Grünschenkel am 25. April waren zugleich der größte
Trupp. Danach 7 Nw. vom 01. bis 17. Mai zwischen 1 bis 6 Vögeln.
Waldwasserläufer Tringa ochropus
Recht schwacher Heimzug gegenüber dem Vorjahr mit nur zwei Beobachtungen. Am 15. April 9 und am 25. April noch mal 2 Ind.
Bruchwasserläufer Tringa glareola
Erstes massives Auftreten am Fangplatz am 01. Mai mit 89 Ind., was
zugleich das Maximum der Art auf dem Frühjahrszug war. Letztmalig 5
Ind. am 19. des Monats, womit der Heimzug im wesentlichen seinen
Abschluss fand. Allein in der ersten Mai- Dekade traten am Fangplatz
insgesamt 261 Ind. auf, von denen 72 Vögel beringt wurden. Damit
wiederholte sich die Konzentration des Vorjahres in diesem Zeitraum,
wenn auch die Individuenstärke 2010 wesentlich geringer ausfiel.
Insgesamt wurde 2011 der höchste Frühjahrsgipfel in den letzten fünf
Jahren erreicht. Am unten stehenden Muster der wechselnden Tagessummen
wird das Durchzugsverhalten der Art sichtbar. Die Rastzeit ist nur von
kurzer Dauer, um das Brutgebiet baldigst zu erreichen. Fehlende
Wiederfänge bestätigen diese Aussage.
Tagessummen des Bruchwasserläufers im Zeitraum 26.04. – 20.05.2011

Flussuferläufer Actitis hypoleucos
Nur drei Nachweise: Je einer am 08. und 12. Mai und 3 Ind. am 13. Mai, davon 2 Beringungen.
Teichwasserläufer Tringa stagnatilis
Ein einzelner Vogel dieses seltenen Durchzüglers war vom 02. bis 04. Mai anwesend.
Schutz und Erforschung
binnenländischer Feuchtgebiete 2010-
hier: Naturschutzgebiet „Dreba – Plothener Teichgebiet“ und NATURA 2000- Gebiet
Jürgen Auerswald
1. Durchführung
eines Monitoring zur Phänologie der Wat- und Wasservögel unter Anwendung der Beringung und Entwicklung von Lebensräumen
Im Zeitraum zwischen 01.05.2010 bis
17.10.2010 wurde in Abstimmung mit der Beringungszentrale Hiddensee
am Landesamt für Umwelt, Naturschutz
und Geologie (LUNG) Mecklenburg-Vorpommern ein spezielles Beringungsprogramm
als Monitoring durchgeführt. Wie in den
Jahren zuvor kamen im Südwesten des
Teichgebietes im Bereich der Kohlung
zur Erfassung der Phänologie während des
Heim- und Wegzuges Uferreusen zum Einsatz. Die Gesamtzahl der Fangtage betrug 96. Die effektiven Fangtage sind
mit 49 zu beziffern und lagen damit weit unter dem
langjährigen Durchschnitt.
Ursächlich sind dafür anthropogene
Einflüsse am Fangplatz, sowie das Ausbleiben von Rastvögeln während des Vogelzuges zu nennen. Diese Erscheinung ist vor dem Hintergrund veränderter
Umweltbedingungen, hauptsächlich durch verbreitete Niederschläge
zu sehen, wodurch vielerorts Feuchtstellen auf landwirtschaftlichen Flächen
entstanden und diese zur Rast und
Nahrungsaufnahme durch die Watvögel genutzt wurden.
Infolgedessen
entwickelte sich ein außergewöhnlicher Zugverlauf, da traditionelle Rastplätze
wie das Teichgebiet Dreba- Plothen
nicht aufgesucht wurden. Das
Ergebnis ist insofern von Bedeutung
da es zeigt, dass keine erkennbare Verschlechterung des
Lebensraumangebots in diesem „Europäischen Vogelschutzgebiet“ eingetreten ist. Schließlich
besteht ein von der Europäischen
Union definiertes
Verschlechterungsgebot für das Schutzgebietsystems NATURA 2000, wozu die Länder im Rahmen ihrer Berichtspflicht aller fünf Jahre
gebunden sind. Die Fortführung
dieses Projekts im nächsten Jahr
kann dazu sicher einen entscheidenden Beitrag leisten.
Als positives
Beispiel sind Absprachen, zwischen dem
Forstamt Neustadt als Flächenverwalter des
Freistaates Thüringen und dem Naturschutzbund
Deutschland (NABU) zu nennen, die eine langfristige Sicherung der Entwicklungsflächen für besonders geschützte Arten durch eine
Nutzungsvereinbarung gewährleisten sollen.
Die im
Berichtsjahr wiederholt
vorgenommenen Wasserstandsabsenkungen führten zur Verbesserung des Lebensraumangebots für den
Flussregenpfeifer Charadrius dubius.
Nach Erfüllung der Habitatansprüche kam es schließlich zum Bruterfolg dieser Art. Von vier Bruten verliefen drei erfolgreich, ein Ergebnis, was
letztmalig vor über 20 Jahren registriert wurde.
Insgesamt wurden 11 Jungvögel sowie
6 Altvögel mit Ringen der Vogelwarte
Hiddensee gekennzeichnet.
2. Phänologie
Die Bekassine
blieb deutlich unter dem Durchschnittswert der
vergangenen Jahre zurück.
Nicht anders sind die Rastbestände
des Bruchwasserläufers zu
interpretieren. Auf mögliche Ursachen wurde
bereits hingewiesen.
Bemerkenswert
ist das Auftreten der
Waldwasserläufers, welches sich gegenüber 2009 mehr als verdoppelte. Der seltene
Fang des Temminkstrandläufers im
Frühjahr entspricht dem stärkeren
Auftreten der Art auf dem Heimzug.
3. Beringungsergebnisse
2010
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Flußregenpfeifer, Charadrius dubius
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17
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Temminckstrandläufer, Calidris temminckii
|
1
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Kiebitz, Vanellus vanellus
|
2
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Kampfläufer, Philomachus pugnax
|
1
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Bekassine, Gallinago gallinago
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22
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Waldwasserläufer, Tringa ochropus
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21
|
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Bruchwasserläufer, Tringa glareola
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57
|
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Flussuferläufer, Actitis hypoleucus
|
7
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Wasserralle, Rallus aquaticus
|
7
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Stockente, Anas
platyrhynchos
|
5
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Zwergtaucher, Tachypabtus
ruficollis
|
4
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Bachstelze, Motacilla alba
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67
|
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Schafstelze, Motacilla flava
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2
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Gebirgsstelze, Motacilla cinerea
|
2
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Rohrammer, Enberiza schoeniclus
|
1
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Elster, Pica pica
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1
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Gesamtsumme
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217
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Von 217 beringten Vögeln sind 61 = 27,6% in 7 Arten in der Roten Liste Thüringens als gefährdet eingestuft.
Die Beringungen und Wiederfänge
der Wasserralle (RL- Art) bestätigen
ein erneutes Brutvorkommen im diesem Untersuchungsgebiet.
3.1. Eigene Kurzzeit- Wiederfänge
gelangen von folgenden Arten:
Bekassine 2,
Waldwasserläufer 2, Flussuferläufer 2, Flussregenpfeifer 11.
Außerdem wurde
ein Flussregenpfeifer mit fremden
Ring nach 759 Tagen wieder gefangen.
Dieser wurde am 13.06.2008 nestjung
3km NE von Auma beringt.
Ein beringter
Zwergtaucher wurde 4 Tage nach
seiner Beringung von einer Rohrweihe Circus
aeruginosus geschlagen. Dieser Ring konnte bei der
Kontrolle des Rupfplatzes sicher
gestellt werden. Nach BANDORF (1970)
wurden Zwergtaucher als Beute der Rohrweihe bisher nur selten nachgewiesen.
3.2. Mitteilenswerter Langzeit- Wiederfang eines Alpenstrandläufers
Der Wdfg. gelang nach 10
Jahren, 9 Monaten und 27 Tagen.
Beringung: Hiddensee OA 44613 am 03.10.1998, als Fängling
Dreba, 4km SW, Saale- Orla- Kreis, 50°38'N 011°42'E (J. Auerswald),
Kontrollfang: 30.07.2009
Ottenby (Schweden), 56°12'N
016°24'E, 691km

Kartengestaltung:
S. Kästner
Literatur: BANDORF, H. (1970): Der Zwergtaucher (Tachybaptus ruficollis). –
NBB Nr. 430 1.
Aufl. A. Ziemsen - Verlag, Lutherstadt Wittenberg.
Dreba, 29.11.2010
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